Blogbeitrag der Siebenundsechzigste

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Und jetzt erst recht!

Getreu diesem Motto raffte ich mich auf und begab mich an die Arbeit. Die Übergabe des neuen Büros war nur noch wenige Tage entfernt und nach langen Gesprächen mit diversen Leuten war es endlich für mich an der Zeit dieses neue Kapitel zu starten.

Aber dieses Gefühl, einen Teil meiner Sachen in Köln in einen Karton zu packen, führte doch zu etwas Unbehagen bei mir. Wie ein Umzug aus dem Elternhaus, raus in die große unbekannte weite Welt. Etwas Neues und Aufregendes, was einem dennoch eine Menge Respekt einflößt und viele Fragen, Ängste und Zweifel aufkommen lässt.

Ja Angst. Ich bin da ganz ehrlich. Dieses neue Büro machte mir vor allem eines: Magenschmerzen, unruhige oder gar schlaflose Nächte und einfach eine Heidenangst. Dabei half auch kein Lavendel mehr. Ich probierte alles: Lavendeltee, Duftsäckchen, Fuß Creme, Gesichtscreme mit Lavendel, Massageöl und Badezusätze mit Lavendel, bis hin zur heißen Milch mit Lavendelhonig. Aber in diesem Fall konnte mir mein treuer lilaner Begleiter nicht so weiterhelfen, wie er es sonst tat. Meine liebe Freundin Melli schickte mir sogar Toilettenpapier mit Lavendelduft.

Alles war im Umschwung. Etwas völlig Neues und Unbekanntes, mit einer riesen Verantwortung kam dort auf mich zugerollt, wie eine Lawine in den Alpen. Das Büro, der Auszubildene. Und das mit meinen süßen 25 Jahren. Alle waren stolz auf mich, erzählten mir wie toll es sei und was für eine Chance das wäre. Nur dass mir diese Chance grad den Atem raubte, davon durfte ich keinem erzählen. Hatte ich zumindest das Gefühl. Ich sollte die Verantwortung für ein Büro und einen Auszubildenen übernehmen?! Nur zwei Personen wussten von meinen Gefühlen zunächst, bis ich langsam auch bei Niels auspackte.

Aber ich habe mich dazu entschlossen jetzt und heute einmal aufzuklären, welche Angst doch dahintersteckte. Welche Gefühle mich übermannten und mich kurzzeitig aus der Fassung brachten. Meinem Körper einen üblen Streich spielten und mich mit Versagens- und Zukunftsängsten quälten. Es gab Tage, da wollte ich hinschmeißen. Einfach kündigen und weg. Nicht mal zurück in die Heimat, ich dachte kurzzeitig mal drüber nach, dass Afrika doch eigentlich auch ein ganz schöner Kontinent wäre, an dem mich keiner so schnell finden und zur Verantwortung ziehen könnte. Und hey, schließlich waren Elefanten schon immer meine Lieblingstiere – ich könnte ja einfach Elefantenpflegerin werden oder so.

Und auch wenn heute noch nicht all diese Ängste abgegolten sind, wie sollte das auch nach erst 1,5 Wochen in dem neuen Büro sein, möchte ich hiervon erzählen.

Was mich stark werden lassen hat war, dass niemand mich fragte, ob ich mir das zutraue. Dass niemand mich fragte, ob ich dafür nicht noch etwas jung sei. Sondern, dass ich jegliche Unterstützung erfuhr, die ich hätte erfahren können. Von fast allen Seiten. Wenn beruflich und privat viel im Umbruch ist, fragt man sich, an welchem Zeitpunkt im Leben man hätte umdrehen sollen. Einen anderen Weg einschlagen. Aber wie ich bereits so oft geschrieben habe: alles passiert aus einem Grund. Und ich bin mittlerweile endlich an dem Zeitpunkt angekommen, an dem ich mich über dieses Büro freuen kann.

Ich freue mich morgens, wenn ich aufwache, gleich mit einem leckeren Kaffee zu meinem Büro zu laufen – schließlich ist es keine 500 Meter von meiner geliebten Wohnung entfernt. Ich freue mich über jede neue Veränderung hier, über Regale (auch wenn ich sie kaum zusammengebaut bekomme, ohne sie auf den Sperrmüll zu werfen), über jede einzelne Tasse, über jeden Kaffee aus der Maschine. Aber vor allem freue ich mich über Tobi, der mit vollem Eifer und einem wahnsinnigen Anfängergeist seit Montag mit dabei ist und auch schon vor seinem ersten Tag unendlich begeistert war. Wie oft stellte ich mir die Frage, ob der überhaupt weiß, worauf er sich da eingelassen hatte.

Und was mich auch stark werden lassen hat, war der Gedanke, dass wir die Eröffnung in Köln so gerockt haben auf 2.500qm, dass dieses knapp 50qm große Büro doch ein Klacks dagegen werden würde. Und genau so ist es bisher. Es läuft (fast) alles wie am Schnürchen. Ich habe unendlich tolle Unterstützung erfahren dürfen und erfahre sie auch jeden Tag auf ein Neues. Zwar fällt zwischendurch mal das Telefon aus, auch ist die Heizung manchmal so heiß, dass es eigentlich nur noch im Bikini aushaltbar wäre und dennoch sind wir mit voller Euphorie dabei und auch gut im Zeitplan. All das, was nicht umgehend klappt, wird von uns, wie immer, von einem Problem zu einer Aufgabenstellung verwandelt und mit Ruhe und Spaß angegangen.

Ich bin ehrlich. Auch jetzt gibt es noch Momente, wo kurzzeitig Zweifel in mir aufkommen. Am Tag der Übergabe stand ich nach Erhalt der Schlüssel vor meinem Büro. Es war eine Mischung aus Vorfreude und Angst. Mich überkamen die Tränen und das Erste, was ich tat, war meine Mom anzurufen, um aus meinem Gefühlschaos gerettet zu werden. Nun war es real und es gab kein Zurück mehr.

Den ganzen Tag war ich damit beschäftigt, hier zu putzen. Grundlegende Dinge, wie Klopapier und Wasser, einzukaufen. Ich merkte nicht einmal, dass wir 20 Uhr schon überschritten hatten, als mein Nachbar mir schrieb, ich solle nun endlich Feierabend machen und auf ein Glas Wein vorbeizukommen. Meine Rettung, ich hätte hier sonst wahrscheinlich ungläubig gesessen bis am Dienstagmorgen Ikea kam und hätte gar keinen Schlaf gefunden.

James, ich bin dir sehr dankbar, dass ich diesen Abend nicht alleine auf das Büro anstoßen musste! Und auch meinen Stallmädels, dass sie Tag und Nacht meine Anrufe geduldet haben und mich des Öfteren einfach überall mit hinschleppten, damit ich Abwechslung bekam.

Nun sind wir seit 1,5 Wochen hier. In Overath. Und alles was noch kommen wird, wird ein riesen Erfolg! Da bin ich mir ganz sicher. Und wenn mich wieder einmal die Zweifel und Ängste übermannen, wird hier laut die Musik aufgedreht und eine kurze Runde getanzt. Mit all der Unterstützung in meinem Rücken, durch Freunde; Familie und Kollegen kann dieser neue Standort nur ein voller Erfolg werden. Ich freue mich auf Alles, was kommt und vor allem auf die tolle Eröffnungsfeier, welche hier in den nächsten Tagen fleißig geplant wird.

Also: macht Euch immer bewusst, dass Ängste gar nichts schlimmes sind. Sie zeigen nur, dass uns etwas wichtig ist.

Und: haltet euch Samstag, den 10.10.2020 ab 14:00 Uhr frei – denn da wird die große Eröffnung stattfinden in der Olper Straße 72 in 51491 Overath

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