Blogbeitrag der Sechsundzwanzigste

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Von großen Ängsten und wie wir diese überwinden – Teil II

Die Resonanz auf meinen Beitrag vom 08. Mai war so überwältigend, wie sie kaum ein anderer Beitrag erhalten hat.

Es kamen so viele Fragen von Euch, wie ich meine Ängste überwunden habe – gerade die Prüfungsangst.
Dass Angst ein Thema ist, welches uns alle betrifft, das war mir natürlich schon vorher klar, aber nicht, dass so viele von Euch auch in dieser Richtung wirklich kurz vor der Verzweiflung stehen.

Eure Fragen wiederholten sich immer wieder. Wie habe ich meine Angst überwunden und wie habe ich es geschafft, trotzdem meiner Angst, meine Abschlussprüfung zu meistern.

Letzten Endes kann ich Euch aber sagen, wir sitzen alle im selben Boot. Nur dass manche lediglich ihre Arme haben zum Rudern, während wiederum andere einen Motor haben.

Aber ganz von vorne: Ich möchte Euch gerne Hilfestellung leisten und Euch so gut wie möglich meine Tipps weitergeben. Allerdings muss hierzu gesagt werden, dass diese Tipps zwar bei mir geholfen haben aber natürlich nicht für jedermann erfolgreich sind. Ich bin weder Therapeutin, noch habe ich annähernd irgendetwas in diese Richtung gelernt. Dennoch möchte ich Euch einfach gerne meine Tipps mitteilen und Euch helfen. All diese Hausmittel sind in der Apotheke zu bekommen. Oder im eigenen Haushalt zu finden. Manchmal simpler, als man denkt.

Angst, was ist das eigentlich? Welche unterschiedlichen Formen gibt es? Und sollten wir diese nicht im erwachsenen Alter ablegen können?

Angst gehört unvermeidlich zu unserem Leben. In immer neuen Abwandlungen begleitet sie uns von der Geburt bis zum Tode. […] Die Geschichte der Menschheit läßt immer neue Versuche erkennen, Angst zu bewältigen, zu vermindern, zu überwinden oder zu binden […] sie gehört zu unserer Existenz und ist eine Spiegelung unserer Abhängigkeiten und des Wissens um unsere Sterblichkeit. Wir können nur versuchen, Gegenkräfte gegen sie zu entwickeln: Mut, Vertrauen, Erkenntnis, Macht, Hoffnung, Demut, Glaube und Liebe. Diese können uns helfen, Angst anzunehmen, uns mit ihr auseinanderzusetzen, sie immer wieder neu zu besiegen. Methoden, welcher Art auch immer, die uns Angstfreiheit versprechen, sollten wir mit Skepsis betrachten; sie werden der Wirklichkeit menschlichen Seins nicht gerecht und erwecken illusorische Erwartungen.“
– Fritz Riemann (1975)

Diese Worte haben immer unglaublich beruhigend auf mich gewirkt. Und es ist wirklich so. Alleine der Gedanke „Schlimmer als die letzte kann es eh nicht mehr werden.“ vor einer Matheklausur damals in der Schule, hat mir zumindest dabei geholfen, die Nacht vorher halbwegs zu schlafen. Was mir auch viel dabei hilft ist Baldrian. Gibt es sehr günstig im Drogeriemarkt zu erwerben und hilft mir oft vor Prüfungen oder auch großen Terminen einschlafen zu können – ganz ohne Nebenwirkungen wie Abhängigkeit! Direkt vor der Prüfung greife ich zu Atemübungen, welche ich auf meinem Handy gespeichert habe und zu Bachblüten Tropfen aus der Apotheke.

Unruhe, nass geschwitzte Hände, kalter Angstschweiß, Übelkeit bis hin zum Erbrechen, Bauchschmerzen, Pickel – ich weiß gar nicht wo diese Liste aufhören würde. All dies sind Nebenerscheinungen von Angst. Mal stärker, mal schwächer. Meist ist die Angst vor etwas so groß, dass wir uns selbst im Wege stehen. Und auch wenn wir bereits erwachsen sind, heißt das nicht, dass wir keine Angst verspüren dürfen.

Angst ist ein Urinstinkt des Menschen und bewahrt uns vor schlechten Dingen.

Dabei gibt es, wie bereits erwähnt, so viele unterschiedliche Arten von Angst. Hierbei unterscheidet Riemann den Menschen in schizoide, depressive, zwanghafte und hysterische Persönlichkeiten.

Schizoide Persönlichkeit:

Das Streben des Menschen wird vor allem dahin gehen, so unabhängig und autark wie möglich zu werden. Auf niemanden angewiesen zu sein, niemanden zu brauchen, niemandem verpflichtet zu sein, ist ihm entscheidend wichtig.

Depressive Persönlichkeit:

Die Hauptangst des Menschen ist hierbei, selbstständig zu werden. Bewusst ist ihm dabei höchstens die Verlustangst, die Angst vor der Individuation, die das eigentliche Problem ist, bleibt weitgehend unbewusst. Ein Mensch mit depressiver Struktur versucht, der Angst dadurch zu entkommen, dass er sich in Abhängigkeit begibt und auf Freiheit verzichtet, die er auch seinem Gegenüber nicht zugestehen kann.

Zwanghafte Persönlichkeit:

Hinter der zwanghaften Persönlichkeit steckt eine Angst die viele Menschen betrifft und zwar die vor dem Tod. Der Mensch wendet sich gegen Neuerungen, wo sie ihm begegnen, was aber immer mehr zu einer sinnlosen Anstrengung wird, denn das Leben ist immer im Fluss. Alles ist in fortwährender Wandlung begriffen, «alles fließt» in immerwährendem Entstehen und Vergehen, das sich nicht aufhalten lässt.

Hysterische Persönlichkeit:

Der Gegenspieler der zwanghaften Persönlichkeit. Der Mensch erfreut sich, wie Riemann sagt, am „Zauber des Neuen“. Jeder Impuls, jeder Wunsch muss möglichst sofort befriedigt werden, weil Warten unerträglich ist. Darin liegt seine große Verführbarkeit – er kann Versuchungen schwer widerstehen.

 

Hinter all diesen Ängsten stecken allgemein menschliche Probleme die jeder hat. Du und ich. Jedem von uns begegnet die Angst vor der Hingabe in einer ihrer verschiedenen Formen, die als Gemeinsames das Gefühl der Bedrohung unserer Existenz, unseres persönlichen Lebensraumes, oder der Integrität unserer Persönlichkeit haben. Denn jedes vertrauende sich Öffnen, jede Zuneigung und Liebe, kann uns gefährden, weil wir dann ungeschützter und verwundbarer sind, etwas von uns selbst aufgeben müssen, uns einem anderen ein Stück ausliefern. Daher ist alle Angst vor der Hingabe verbunden mit der Angst vor einem möglichen Ich-Verlust.

Jedem begegnet auch die Angst vor der Ich-Werdung, vor der Individuation, die den verschiedenen Formen ihres Auftretens als Gemeinsames die Angst vor der Einsamkeit hat. Denn jede Individuation bedeutet ein sich Herausheben aus bergenden Gemeinsamkeiten. Je mehr wir „wir“ selbst werden, umso einsamer werden wir, weil wir dann immer mehr die Isoliertheit des Individuums erfahren.

Jedem begegnet auch die Angst vor der Vergänglichkeit auf seine Weise; unvermeidlich erleben wir immer wieder, dass etwas zu Ende geht, aufhört, plötzlich nicht mehr da ist. Je fester wir etwas halten, beibehalten wollen, umso mehr erliegen wir dieser Angst, deren verschiedene Formen als Gemeinsames die Angst vor der Wandlung erkennen lassen.

Und jeder begegnet schließlich auch der Angst vor der Notwendigkeit, vor der Härte und Strenge des Endgültigen, bei deren verschiedenen Ausformungen das Gemeinsame die Angst vor dem unausweichlichen Festgelegtwerden ist. Je mehr wir eine unverbindliche Freiheit und Willkür anstreben, desto mehr müssen wir die Konsequenz und die Grenzen der Realität fürchten.

Meine Ängste habe ich nur überwinden können, indem ich mich ihnen gestellt habe. Oft hieß dies, etwas Neues zu wagen. Mich neuen Menschen zu öffnen und diesen zu vertrauen. Ich möchte niemandem weiß machen, dass ich damit immer auf dem richtigen Weg war. Nein. Oft bin ich leider genau hiermit abgeprallt und auf Menschen gestoßen, die es nicht nur gut mit mir meinten. Und auch jetzt möchte ich mich nicht davon freisprechen Fehler zu begehen, aus der Überwindung heraus. Aber ich möchte mich auch nicht davon freisprechen, neue Erfahrungen deshalb nicht zu erschaffen, weil mich die Angst vor dem Versagen, vor der Enttäuschung oder was auch immer erstarren lässt.

Das schönste Zitat hierzu kommt von Coco Chanel:
 “Ich bereue nichts im Leben, außer das, was ich nicht getan habe.“ 

Also überlegt gut, ob ihr Euch von euren Ängsten klein halten und bändigen lasst, oder ob ihr sie nicht einfach mal überwindet. Bei den kleinen angefangen.

Eure Lara

3 Antworten

  1. Hallo Lara, wieder ein super Text mit ehrlichem Inhalt. Angst zu überwinden ist ein grosser Prozess, welchen wir mal mehr mal weniger in unserem Leben zu überwinden haben.
    Lass uns mal eine Thetahealing Sitzung machen, damit kannst du noch mehr Ängste überwinden.

    1. Wenn man Angst als ursprünglichen Schutzinstinkt annimmt, der nur unsere Sinne schärfen möchte um unser Potential voll abzurufen, dann beginnt ein neuer Weg. Liebe Lara, wie immer ein sehr inspirierender Leitartikel. Lieben Dank dafür.

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