Blogbeitrag der Fünfte

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Blogbeitrag der Fünfte

 

Liebe Frau Ney,
irgendetwas dazwischen…
Dennoch müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir Sie nicht übernehmen können, da momentan keine Stelle frei ist.
Dennoch trifft man sich immer zwei Mal im Leben.
Irgendetwas nettes noch einmal dazwischen…

Wir wünschen Ihnen alles Gute auf Ihrem weiteren Weg.

Schwarz – alles einfach schwarz.
Klappe zu, der Vorhang fällt.
Alles auf Anfang.
Oder ist es doch eher das Ende?

Tränen schießen mir in mein Gesicht. „Wieso zur Hölle weinst du jetzt? Du wusstes es doch vorher. Nur weil es jetzt schwarz auf weiß dort steht?“

Ja! Eben genau, weil es dort jetzt schwarz auf weiß für mich steht, mein liebes Gehirn.
Mein Magen zieht sich zusammen und ich setze mich auf die kalten Marmorstufen meines Treppenhauses, schluchze leise vor dem offenen Briefkasten vor mich hin. Dass ich gleich etwas Schönes vorhabe, ich weiß heute nicht einmal mehr was, ist völlig in den Hintergrund meiner Gedanken gerutscht.
Erzähle ich das jetzt irgendwem? Nein, es ist mir peinlich.
Aber ich muss. Wenigstens Mama? Oder doch Oma? Meiner besten Freundin?
Als aller erstes einmal nehme ich Paloma feste in den Arm und sie lässt es wie immer bereitwillig über sich ergehen, wenn sie merkt, dass es mir schlecht geht. Dicke Dinosauriertropfen malen sich auf ihrem Fell ab, meine Mascara lässt meine kleine Maus wie ein Abschminktuch am Abend aussehen.

„Aber im Leben wird nichts weitergehen, wenn du nicht wieder aufstehst.“

Ja! Danke liebes Gehirn, aber lass mich noch eine Sekunde lang in der Verzweiflung versinken. Langsam macht sich die Angst in mir breit.

Standet ihr schon einmal vor der Arbeitslosigkeit? Wenn nicht, es fühlt sich furchtbar an. Zumindest für mich. Zuhause sitzen war für mich noch nie eine Option. Zumal, die Angst meine Wohnung zu verlieren direkt mit diesem Gedanken in mir aufstieg. Und natürlich, es kamen noch mehr Tränen.

„Vielleicht ist es aber auch eine Chance. Du wolltest nie in einer Verwaltung bleiben. Du hast diese Ausbildung angefangen, um irgendwann einmal Maklerin zu werden. Das ist jetzt deine Chance.“ ertönt eine andere, mutigere Stimme in mir. Liebe Stimme der Hoffnung, du gefällst mir doch gleich schon viel besser.

Und genau diese Chance musste ich nun ergreifen.
Ich rief meine Eltern an, um Ihnen von dem Brief zu berichten. Beide kamen zunächst mit demselben Spruch „Aber das wusstest du doch im Prinzip vorher.“ Ja liebe Eltern! Ich wusste es im Prinzip vorher. Natürlich sprach man das Thema bereits vorher in meinem Ausbildungsbetrieb an, da zurzeit kein Platz für weitere Mitarbeiter vorhanden war. Und jeder Mensch hofft trotzdem.

Trotzdem war es einfach ein furchtbarer Start in das Jahr 2018. Ganz nach dem Motto „Herzlich Willkommen im Jahr 2018 Lara, ich werde nicht besser als 2017, sondern dich auf jede Probe stellen und dir die Laune vermiesen.“ Aber 2018, so schlimm warst du dann doch nicht.

Im Gegenteil, du warst der Anfang von etwas Neuem.
Etwas Großem.
Eine riesen Chance.
Etwas ganz Tollem.

Wie sich jetzt jeder denken kann, war meine einzige Chance, mich anderweitig zu bewerben und erst einmal vorzeitig dem Arbeitsamt mitzuteilen, dass ich eventuell mit dem Tag meiner bestandenen Prüfung arbeitslos bin. Na Glückwunsch.

Und so kam es dann auch. Ein riesen Haufen an Bewerbungen. Liebe Eltern, ihr habt mich wirklich gedrängelt und geschubst dutzende Bewerbungen zu schreiben. Ihr meintet es nur lieb, aber jede Absage war ein katastrophaler Niederschlag für mich. Ich habe mich selten so alleine und beschämt gefühlt wie die kommenden Wochen. Ich wurde unerträglich für die Menschen um mich herum.

Wieso will mich niemand? Sind meine Noten nicht gut genug? Kommt meine offene Art wirklich nicht gut an? War ich wirklich zu jung? Und dann doch plötzlich mit meinen 23 Jahren wieder zu alt? War ich zu dick, zu groß, zu klein, zu … Ach ich wusste es doch nicht.

Jeden Abend stand ich vor dem Spiegel mit meinem Abschminktuch und fragte mich, was ich falsch machen würde. Hatte ich doch die falsche Ausbildung gewählt? War meine Bewerbung schlecht? Fragen über Fragen. Und bei jeder einzelnen versuchte ich mich bei meinen Liebsten zu vergewissern, dass sie nicht wahr waren.
Liebe Arbeitgeber, schickt doch bitte einfach eine kurze Absage, wenn ihr einen Bewerber nicht wollt. Oder gebt einen vernünftigen Grund an.

Aber irgendwann musste ich Abstand von diesem schlechten Gefühl nehmen. Die schriftlichen Prüfungen standen an. Und da ich eh ein riesen Problem mit der Prüfungsangst habe, waren die negativen Gedanken nicht grade fördernd.

Kurz nach den schriftlichen Prüfungen der nächste Rückschlag: Es musste nochmal eben schnell der Blinddarm entfernt werden. Wieso auch ein besseres Timing abwarten, nicht wahr lieber Körper?

Nunja, nach zwei Wochen war ich wieder auf den Beinen und begann erneut zu arbeiten. Nun mit der Nachricht an alle neugierigen und wirklich interessierten Kollegen, dass ich ab dem Sommer nicht mehr im Unternehmen sein würde. „Ach, haben Sie denn bereits etwas Neues gefunden? Der Markt ist doch gerade so toll für Sie. Dutzende Jobs. Das sollte kein Problem geben.“

Na danke – damit ging es mir noch schlechter. Liebe Welt, wieso tust du mir das nur an? Und dann kam nach wenigen Tagen der Schrecken direkt morgens per Post in´s Hause geflattert:

„Liebe Frau Ney,
bla bla bla…
Ihre Prüfung findet am 08. Juni um 17:00 Uhr statt.
Bla bla bla…“

Ähhhh Sekunde mal! Anfang Juni?? Das ist in 13 Kalendertagen.
Aber wir hatten doch alle mit Juli gerechnet. Sodass ich wenigstens an meinem Geburtstag noch nicht arbeitslos sein würde.

Schwarz – alles einfach schwarz.
Klappe zu, der Vorhang fällt.
Alles auf Anfang.
Oder ist es doch eher das Ende?

Ja, es war das Ende in meinem Ausbildungsunternehmen.
Aber auch ein Anfang.

Wenige Tage vor der mündlichen Prüfung erreichten mich plötzlich zwei Einladungen zu Vorstellungsgesprächen. Eines sollte direkt am Abend nach meiner mündlichen Prüfung stattfinden. An den lieben Herrn, der mir unfassbar locker entgegentrat an diesem Abend:
Dankeschön! Das Wasser und der nette Empfang haben mich gerettet. Ich wäre vor Verzweiflung fast nicht zu Ihnen gekommen. Auch wenn ich die Prüfung mit Bravour abgelegt hatte. Am selben Abend ein Vorstellungsgespräch, da kann ich wirklich nur von abraten.

Dennoch war ich an diesem Abend keinen Schritt weiter – dies hier würde nicht meine zukünftige Stelle werden. Dieses Mal allerdings von meiner Seite aus. Mit nicht ganz 23 Jahren war eine reine Provisionszahlung nicht annehmbar. Ich würde keine Nacht mehr ruhig schlafen können.

Also stieg ich in mein Auto, um die gelungene Prüfung mit meinen Freunden zu feiern. Ich weiß noch, dass es ein sehr heißer Tag war, es aber genau zum Beginn meiner Prüfung plötzlich anfing zu gewittern, weshalb ich im Auto die Fenster öffnete.

Und da kam Sie, eine Mail von Jens Hamburger. Dieckmann Immobilien.
„Sehr geehrte Frau Ney, wie haben Sie die heutige Prüfung geschafft? Mit 1 oder 1.? 😊 Sie schaffen das mit Links!“

Ein kleiner Jubelschrei ertönte aus meinem quietsch roten Mini, mit welchem ich eine wirkliche Hass-Liebe führte.
Er hat unser Vorstellungsgespräch nicht vergessen, welches wir zwei Tage zuvor hatten, dachte ich.

@Jens: Danke! Für deine offene Art! Deinen Mut und dieses unfassbar angenehme und lockere Vorstellungsgespräch damals. Es war sofort eine Vertrauensbasis geschaffen – Heute weiß ich, dass dies im Team Dieckmann immer so gelebt wird. Ihr seid einmalig.
Ich hatte mich deshalb so gefreut, weil ich selten mit solch einem guten Gefühl aus einem Vorstellungsgespräch kam. Ich kann mich noch erinnern, wie ich zu meiner Mama sagte, dass ich die Maklerstelle glaube ich hätte.

Am Tag nach der Prüfung war ich noch ein letztes Mal in meiner Ausbildungsstätte, um mich zu verabschieden und ein wundervolles Geschenk, mit wirklich viel Mühe gemacht, nach Hause zu nehmen.

Das Wochenende zog in´s Lande und am Montag kam es dann zu einem Telefonat mit Jens. Ich weiß schon gar nicht mehr, wer wen angerufen hat, ich weiß nur noch, dass er mit mitteilen musste, dass er mir die Stelle nicht geben könnte, da er keine Zeit finden würde, um mich einzuarbeiten.

Schwarz – alles einfach schwarz.
Klappe zu, der Vorhang fällt.
Alles auf Anfang.
Ich bekam nichts mehr wirklich mit.

Leise fing ich noch während unseres Telefonats an zu weinen.
Er erzählte mir noch irgendetwas von einer Stelle als Assistentin von Herrn Dieckmann und dass ich ihn gerne auf der DIM in Dortmund am Mittwoch kennen lernen könnte, aber ich hörte kaum noch zu.
Mir war einfach schwarz vor Augen und dieses riesen Loch öffnete sich erneut. Warum?!

Ich beendete freundlich das Telefonat mit einem Danke für die Einladung, welche er mir dann noch per Mail zusandte und rief verzweifelt meine Eltern an.

Nach langem hin und her waren sie es, die mir den Mut gaben, doch auf diese Messe zu fahren. Assistentin nicht gleich Sekretärin und vor allem nicht gleich Kaffee kochen.
Versteht mich nicht falsch, ich schätzte unsere Sekretärinnen immer sehr während der Ausbildung, aber ich wollte in meinen jungen Jahren einfach mehr erreichen.

@Niels: Ich koche dir deinen Kaffee dennoch von Herzen gerne, einfach, weil du dich immer so freust und total lieb bedankst! Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Ich weiß, dass du auch selber anpackst, man bedenke alleine die Besenrein Aktion in Köln.

Ich mache es jetzt, weil ich es gerne für Leute mache die mir guttun. Und bringe nicht nur meinem Chef hin und wieder den Kaffee, sondern auch meinen restlichen lieben Kollegen. Einfach von Herzen, nicht weil es jemand verlangt.

Dann kam der Tag auf der Messe. Ich kann Euch verraten: Hier sollte sich das Blatt endlich für mich wenden.

Denn alles passiert aus einem Grund.

Nicht nur, dass ich Niels kennenlernte und gemeinsam mit ihm und Jens eine Anstellung besprach und feste ausmachte, ich durfte auch bereits einen Teil meines künftigen Teams kennenlernen.

Jungs: Ihr wart großartig. Fabian und Christian, ihr habt mich super toll aufgenommen. Es war so schön bei Euch, dass ich noch fast drei Stunden nachdem bereits alles klar war, bei Euch geblieben bin.
Danach fuhr ich zu meiner Mama, die bereits sehnsüchtig auf mich wartete, weil ich zwischenzeitlich ganz kurz eine Rückmeldung gegeben hatte. Den Abend haben wir dann familienintern noch etwas gefeiert und ich konnte das erste Mal seit Monaten wieder richtig gut schlafen.

 

Ihr Lieben: Ich hatte wirklich Freudentränen in den Augen, als ihr mir den Job zugesagt habt. Aber das habt ihr ja bemerkt.

Mittwoch, der 13. Juni sollte alles verändern. Wie wundervoll es werden würde, konnte ich mir noch nicht ausmalen. Dennoch wusste ich bereits dort, dass es toll werden würde. Danke, dass ihr zwei etwas in mir gesehen habt.

 

Am 01. Juli 2018 begann dann endlich meine Zeit bei Euch.

 

Bunt – alles einfach bunt.
Kamera an, der Vorhang öffnet sich.
Alles auf Anfang.
Ein Start in ein komplett neues Leben.

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