Blogbeitrag der Dreiunddreißigste

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Tja . . . wie fange ich das hier an und was soll ich überhaupt heute schreiben ?!

Hat Euch schonmal etwas so sehr aus der Bahn geworfen, dass die Tage an Euch vorbeiflogen und ihr im Rückblick nicht einmal sagen könnt, ob ihr in der Zeit etwas gegessen habt? Getrunken habt? Welcher Wochentag gerade ist und ob Tag oder Nacht?

Und seid ihr schonmal einem Menschen begegnet, der Euch auf eine Art und Weise irgendwie aufgefangen hat und Euch, ohne darüber nachzudenken, sofort beistand? Stundenlang? Tagelang? Nächtelang?

Aber von vorne: Der letzte Beitrag ist am 21. August, 2019 online gegangen. Eigentlich hatte ich dort versprochen, dass nun wieder jeden Mittwoch einer online geht. Nur leider passiert vieles im Leben, was wir nicht vorausplanen können. Und was in der letzten Woche passiert ist, hat mich vollends aus der Bahn geworfen.

Die letzten Wochen waren schon nicht einfach für mich, deshalb ja auch eine dreiwöchige Sendepause. Die Gesundheit wollte nicht so wie der Kopf. Menschen kamen und gingen. Aber eins blieb mir immer dabei:

Paloma.

Es gibt keine treuere Seele als ein Hund – als überhaupt ein Tier. Und jeder, der mich kennt, kennt auch Paloma. Kennt uns als Team. Egal was passiert, sie stand mir immer zur Seite. Spielte mit mir, wenn ich lachte, wedelte mit der Rute, wenn ich glücklich war, entspannte in meinen Armen, wenn es ein anstrengender Tag im Büro war, den wir gemeinsam verbrachten und tröstete mich mit all ihrer Liebe (und ihren Pfoten in meinem Gesicht) wenn ich weinte. Die Liebe zu diesem kleinen Wesen ist unendlich groß und ich kann mir seit Tag 1 keinen besseren Begleiter in meinem Leben vorstellen.

Ein echtes Frauenpower-Dream-Team eben.

Aber was, wenn dieses Team droht zu zerbrechen? Ich schreibe diese Zeilen mit Tränen in den Augen, weil ich es kaum glauben kann, dass wir das geschafft haben. Weil ich kaum glauben kann, was ich für eine Kämpferin an meiner Seite habe. Paloma ist das stärkste kleine Wesen, das ich je erlebt habe.

Vielleicht verstehen dies Worte manche Menschen nicht, aber ich bin mit Tieren aufgewachsen und sie waren immer ein Teil der Familie. Ein Familienmitglied. Und Paloma ist so eine Art Kind für mich. Wir haben hier halt nur uns beide und haben schon so die ein oder andere Geschichte erlebt. Schöne und traurige Momente.

Wie also sollte es plötzlich sein, dass sie nicht mehr da ist? Für mich unvorstellbar. Eine kleine Welt brach zusammen, aber ich musste stark sein. Für sie. Egal wie.

Vergangenen Dienstag war es soweit: Ich sollte meine zweite Social Media Schulung geben und freute mich wirklich sehr darauf. Mein Wochenende war wunderbar gewesen und auch wenn ich den Montag ziemlich erschöpft und müde von einer kurzen Nacht war, saß ich gerne abends an meiner Präsentation mit einer Menge guter Laune.

Morgens aufgeregt war die Gassirunde mit Paloma sehr kurz. Sie hatte keine wirkliche Lust, aber mal ehrlich, bei knapp 30 Grad auch irgendwie verständlich. Ich überlegte kurz, ob ich die Ruhe und Kühle zu Hause gönnen sollte, entscheid mich aber, sie als Glücksbringer mit in den kühlen Schulungsraum zu nehmen.

Der erste Glücksmoment, der ihr das Leben retten sollte. Es kamen noch einige hinzu…

Im Büro angekommen, begann nach zwei Stunden auch schon die Schulung. Paloma war allerdings ziemlich erschöpft. Wieder schob ich es auf die Hitze und ließ mich noch von meiner Mama telefonisch beruhigen, dass die kleine Maus vielleicht einfach Verstopfungen hätte, weil sie meine Nervosität spürte. „Mama´s haben immer recht.“ und in der Mittagspause nahm Paloma dann auch ganz glücklich meine Gurken an, welche ich immer für sie von den Brötchen holte.

Um knapp 13:00 Uhr ging es weiter und ab da ging es bergab…
Die Teilnehmer kannten zu 90% alle Paloma und merkten selbst auch, dass etwas nicht stimmte. Ich erklärte, dass ich glaube sie habe etwas am Magen und dass ich nach der Schulung mal zum Tierarzt würde und spaßte noch, dass sie dann wenigstens nicht pupsen könnte jetzt.

Das Lachen verging uns leider schnell… Keine Stunde später war sie völlig apathisch, wollte nicht fressen und nicht trinken und all diese wundervollen Menschen in dem Raum ermutigten mich, die Schulung zu unterbrechen und mit ihr zum Tierarzt zu fahren. Dass sie ihr damit zum Teil das Leben retten würden, damit hat glaube ich keiner gerechnet…

Der zweite Glücksmoment an diesem Tag. Aber es kamen noch weitere hinzu…

An dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön an alle Teilnehmer. Nicht nur, dass ihr mich ermutigt habt, ihr habt auch noch allesamt am selben Abend und auch in den nächsten Tagen immer wieder nach uns gefragt und an uns gedacht. Ihr seid wirkliche Herzensmenschen und ich hoffe, dass ich dies eines Tages wieder gut machen kann.

Ein zweites großes Dankeschön geht an Niels und Christian. Ihr habt wieder einmal bewiesen, dass wir Dieckmänner Improvisieren auf hohem Niveau einwandfrei beherrschen und übernahmt anstandslos den Rest meiner Schulung. Ich habe mir sagen lassen, dass ihr es souverän gemeistert habt – etwas anderes habe ich aber auch nicht erwartet. Ihr seid Menschen mit unfassbar viel Herz und Mitgefühl, dass es mir bis heute Gänsehaut bereitet, wie schnell ihr reagiert und mich sogar noch versucht habt zu beruhigen.

Kaum saß ich im Auto, rief ich unsere Tierärztin an, die keine 300 Meter von meiner neuen Wohnung entfernt saß. Sie ging von einem Hitzschlag aus und bat mich, direkt in die Tierklinik Leverkusen zu fahren. Sie hätte keinen Inkubator und ginge davon aus, dass wir einen benötigen würden. Zumal war die Klinik nur 15 Minuten von meinem Büro entfernt. Diese Information und die Fehleinschätzung der Ärztin, retteten Paloma das Leben.

Der dritte Glücksmoment an diesem Tag. Und auch immer noch nicht der letzte…

Gefühlt flog ich die Strecke zur Tierklinik. Bis heute weiß ich kaum, wie ich dort ankommen konnte, so am Ende war ich mit meinen Nerven. Ich musste Paloma reintragen und die Sprechstundenhilfe reagierte sofort. Keine drei Minuten später war ich mit Paloma auch schon im Behandlungsraum und der Arzt murmelte nur etwas von Blutarmut, nahm sie mir ab und brachte sie zum Röntgen.

Als er von dort wiederkam brachte er direkt vier Tierpflegerinnen mit und ich wusste sofort, irgendetwas stimmte hier nicht. Im Ultraschall dann die Gewissheit: Palomas Milz hatte sich um ein zehnfaches vergrößert und einmal gedreht. Es hieß eine sofortige Entscheidung treffen: Notoperation oder sie vom Leid befreien.

Ich brach noch im Behandlungsraum zusammen. Fragte nach der Chance, der Heilung und auch wenn wir nur 10% bekommen haben, es stand für mich außer Frage. Ich würde alles dafür tun und 10% waren besser als 0%. Und mit diesen Worten, die aus mir rauskrächzten wurden mir nur Leine und Halsband in die Hand gedrückt und ich sofort rausgeschickt.

Zweieinhalb Jahre waren kein Alter. 10% war kaum etwas. Wie sollten wir das nur schaffen?!

Ohne nachzudenken rief ich von draußen Niels an. Er versuchte mich zu beruhigen und völlig unter Schock, betrat ich wieder das Wartezimmer. Nach und nach kam jede Sprechstundenhilfe und Pflegerin zu mir. Gaben mir Taschentücher und baten mich doch etwas Wasser zu trinken. Bis hin, dass man mir einen Kaffee gab und sich vor mich auf den Boden setzte, um mich zu beruhigen.

Milzdrehung – ich dachte zu dem Zeitpunkt, ich kenne eigentlich jede Krankheitsgeschichte. Und wurde doch eines Besseren belehrt.

„Möchtest du, dass ich rumkomme, damit du nicht alleine bist?“

Liebe Kathrin, mehr Worte brauchte es von dir nicht und du standest innerhalb kürzester Zeit vor mir. Wir kannten uns kaum, lediglich durch zwei Termine und dennoch kann ich dir bis heute nicht sagen, wie dankbar ich für diese Nachricht bin! Wirklich nicht. Mir fehlen die Worte. Und du warst nicht alleine damit. Wärest du nicht gekommen, wäre mein eigener Chef höchstpersönlich zu mir gefahren, um mir beizustehen. Niels, dies ist nicht selbstverständlich, nicht mal annähernd, auch nur ein ganz kleines bisschen. Und ich bin dir unendlich dankbar und weiß es absolut zu schätzen. Natürlich auch alles weitere Verständnis, das von Euch allen folgte.

Aber nun erneut zu dir meine Liebe. Du kamst durch die Tür der Klinik, völlig aufgelöst und hast mich, ohne ein Wort zu verlieren, minutenlang in deine Arme geschlossen. Hast meine Hände gehalten und mir ekligen warmen, mit Wasser gemischten, Eistee eingeflößt, damit ich nicht dehydriere. Den Eistee werde ich dir niemals verzeihen können! Aber zu allem anderen … ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll.

Du hast dir jeden möglichen Kack von mir angehört, mir ein Taschentuch nach dem anderen gereicht und warst einfach für mich da. Ich kann mich kaum an unser Gespräch erinnern, weil die Stunden nur so um unsere Ohren flogen. Irgendwann sprang noch ein Spezialist in die Klinik, der für Paloma gerufen wurde und ich war am Ende meiner Kraft.

Du warst der vierte Glücksmoment an diesem Tag! Und bist es auch jetzt noch! Wer hätte bei unserem ersten Telefonat daran gedacht, dass das mal eine Freundschaft werden würde?

Dann der Moment – der Arzt rief mich rein und du bliebst an meiner Seite. Hast weiter meine Hand gehalten und mich aufgefangen, als ich fast umgekippt bin, beim Anblick der Milz und den Worten, dass sie fast verblutet wäre und auch jetzt noch lange nicht alles überstanden sei. Ihre Milz hatte bei der Drehung einige Blutgefäße zerstört und sie würde einiges an Bluttransfusionen benötigen. Ich solle erst einmal nach Hause, man würde sich später noch einmal telefonisch bei mir melden.

Nun hieß es warten. Ob sie es schaffen würde oder nicht. Und leider sah es gar nicht gut aus für Paloma.

Wir verließen das Besprechungszimmer und ich sank direkt davor auf den Boden. Wieder halfst du mir auf und hast mich bis zum Auto gebracht und auch dort nicht alleine gelassen. Ich glaube wir standen dort noch 1,5 Stunden und haben geredet. Wir waren beide den Tränen nah. Das ist mir erst im Nachhinein bewusst geworden. Du hast wirklich mitgelitten.

Heute kann ich sagen, dass Paloma zwar noch nicht alles überstanden hat, aber das schlimmste. Keiner von uns hat mehr damit gerechnet.

Die ganze Nacht habe ich durchgeweint und so viele Menschen standen mir bei. Unzählige Worte, Wünsche und ja, sogar Gebete von vielen Menschen, die vorher noch nie gebetet haben, erreichten mich.

„Lieber Gott, wenn es dich gibt, scheiße verdammt, lass dieses Mädchen doch einmal etwas Glück haben, lass ihr ihre Paloma. Lass die vierte Transfusion endlich greifen und alles gut werden und wenn sie Tabletten nehmen muss, aber bitte bitte, bitte sie muss es schaffen. Sie ist stark und jung und Lara braucht sie doch. Bitte wenn es dich gibt, lass sie es schaffen! Wehe ich wache morgen auf und höre was anderes, dann fehlt mir der letzte Glauben. Amen!“

Melli, ich weiß nicht, was ich zu diesen Worten sagen soll, sie haben mich zum weinen gebracht. Und nicht nur deine Worte. All ihr lieben wundervollen Menschen standet mir bei. Habt sekündlich gefragt, wie es uns geht, habt mit uns geweint.

Aber vor allem habt ihr mir Kraft gegeben. Ihr standet mir die ganze Zeit bei und keiner hat mich alleine gelassen. Meine Eltern lagen nächtelang wach und haben ihr Telefon angestarrt, ob bei uns alles in Ordnung ist, haben mich die bisher härteste Nacht meines Lebens aufgenommen und mich zum Glück zum Essen gezwungen.

Von Herzen danke ich Euch allen ! Mir fehlen bis heute die Worte und lediglich die Tränen können ein Stück weit zeigen, wie dankbar ich für alles bin !

Wie dankbar ich für Palomas Leben bin.

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